{"id":40,"date":"2017-02-18T18:15:35","date_gmt":"2017-02-18T17:15:35","guid":{"rendered":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/?page_id=40"},"modified":"2020-05-11T22:49:24","modified_gmt":"2020-05-11T20:49:24","slug":"ueber-uns","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/?page_id=40","title":{"rendered":"\u00fcber uns"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-526\" src=\"https:\/\/anarchismusforschung.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/unterm-baum-zwoelf-300x210.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/anarchismusforschung.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/unterm-baum-zwoelf-300x210.jpg 300w, https:\/\/anarchismusforschung.org\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/unterm-baum-zwoelf.jpg 469w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung ist ein loser Zusammenschluss von Anarchist_innen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geschichte(n) der anarchistischen Bewegung zu be- und erforschen, sich mit den Theorien des Anarchismus zu besch\u00e4ftigen oder sich mit allgemeinen politischen, kulturellen, sozialen oder sonstigen Themen aus anarchistischer Perspektive auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Das Institut sieht sich zun\u00e4chst als Plattform zur Ver\u00f6ffentlichung von Texten, in Digitaler oder gedruckter Form.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es geht uns darum, die verschiedenen anarchistischen Str\u00f6mungen, ihre markanten Ereignisse und die Biographien einzelner Personen sichtbar zu machen. Denn es wird unsere Aufgabe als Anarchist_innen sein, sich mit unserer politischen Geschichte auseinanderzusetzen. Nicht nur, um sie dem Vergessen zu entrei\u00dfen, sondern auch, um unseren Blick auf die Gegenwart zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Deshalb suchen und forschen wir, tragen wir unsere Geschichte(n) zusammen, um sie weiter zu erz\u00e4hlen oder nachlesbar zu machen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Ideen des Anarchismus sind nicht nur einem hohen Ideal geschuldet, sie richten sich auch immer gegen konkrete gesellschaftliche Zwangsverh\u00e4ltnisse, von denen sich Menschen zu befreien versuchten. Allein, im Kollektiv, in der Gruppe oder im Syndikat \u2013 mit Worten oder Revolvern, mit Haltungen und Handlungen. Im Anarchismus gibt es immer auch eine Dimension, die weit \u00fcber eine politische Organisation hinausreicht, n\u00e4mlich dann, wenn politische Praxis auch als Lebensweise verstanden wird. Unz\u00e4hlig sind die Versuche und Experimente, die anarchistische Utopie im Hier und Jetzt zu leben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aus diesem Reichtum an politischen Erfahrungen gilt es zu sch\u00f6pfen. Denn wir sehen es als unsere Aufgabe als Anarchist_innen, diese Geschichte und Geschichten weiterzuschreiben und weiterzugeben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung will sowohl das fern Vergangene, das Gegenw\u00e4rtige als auch das Zuk\u00fcnftige in den Blick nehmen. Mit Lust am Forschen, Lesen, Schreiben und Diskutieren.<\/p>\n<p align=\"right\"><b>Das Gestern im Ged\u00e4chtnis, das Morgen in der Hand!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">&#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\">Hier noch unser Interview von und mit Sebastian Kalicha,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Graswurzelrevolution im September 2017<\/p>\n<h1>Den Anarchismus erforschen<\/h1>\n<h3>Das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung in Wien &#8211; ein Interview<\/h3>\n<p class=\"vorspann\"><b>Vor ungef\u00e4hr drei Jahren wurde in Wien von einer Handvoll Anarchistinnen und Anarchisten die Idee forciert, die deutschsprachige Anarchismusforschung voranzutreiben und das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung zu gr\u00fcnden. Seither ist viel passiert. \u00dcber die Aktivit\u00e4ten des Wiener Instituts sprachen mit der Graswurzelrevolution (GWR) drei Mitglieder des Kollektivs.<\/b><\/p>\n<p><b>GWR: K\u00f6nnt ihr kurz erz\u00e4hlen, was das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung in Wien ist und wie es zu seiner Gr\u00fcndung kam?<\/b><\/p>\n<p>Andi: Um eine recht komplexe Geschichte einfach und kurz zu halten. Einige von uns waren zuvor in der anarchistischen Bibliothek aktiv und dort gab es 2014\/2015 die Idee, das gro\u00dfspurige Taferl an der Hausmauer des ersten Eingangs, mit der Inschrift &#8222;Anarchistische Bibliothek &#8211; Institut f\u00fcr Anarchismusforschung&#8220;, das Besucher_innen helfen sollte die Bibliothek zu finden, mit Leben zu bef\u00fcllen. Also wirklich zur Geschichte der anarchistischen Bewegung zu forschen, dar\u00fcber zu schreiben und zu publizieren. Durchaus im Sinne der Selbsterm\u00e4chtigung und des Erlernens eines komplexen Produktionsprozesses, inkl. Drucken. So kam die erste Brosch\u00fcre \u00fcber den Anarchisten und Antimilitaristen Alfred Saueracker\/Alfred Parker zustande. Bald darauf kam die N\u00e4chste. Weitere Leute zeigten sich interessiert und so wuchs die Gruppe. Inzwischen sind wir unabh\u00e4ngig von der Bibliothek und treffen uns regelm\u00e4\u00dfig, diskutieren \u00fcber unsere jeweiligen Arbeiten zu anarchistischen Theorien und Geschichten und schmieden unsere Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Im Moment sind wir eine bunte Gruppe von Leuten, die sich als Anarchist_innen verstehen, als undogmatische Linke, als Feministinnen oder einfach Interesse an einer Gegengeschichte haben.<\/p>\n<p><b>GWR: Welche Aktivit\u00e4ten und Projekte gehen und gingen vom Institut f\u00fcr Anarchismusforschung bislang aus?<\/b><\/p>\n<p>Eva: Wir haben bis jetzt vier Brosch\u00fcren herausgebracht und dar\u00fcber hinaus halten wir regelm\u00e4\u00dfig unsere Diskussionsrunden ab. Auch hatten wir eine Vernissage im Museumsquartier in Wien. In der Literaturpassage, einem der so genannten Mikromuseen des quartier21, haben wir eine Vitrine gestaltet: Dort waren die bislang erschienenen Brosch\u00fcren sowie ein Plakat zu unseren Aktivit\u00e4ten und Kooperationen, u.a. mit den Hafenarbeiter_innen in Koper\/Slowenien zu sehen. Er\u00f6ffnet haben wir diese Vitrine mit einer Veranstaltung, bei der es Lesungen, Diskussionen und sehr gute Stimmung gab. Ziel dieser Ausstellung war es auch, Menschen zu erreichen, die sich nicht unmittelbar in unserem politischen Umfeld bewegen. Durch die Literaturpassage ist es uns gelungen, einige der Passant_innen, die von der Mariahilferstra\u00dfe aus das Areal des Museumsquartiers betreten, neugierig zu machen auf Alfred Saueracker, Leo Rothziegel und den Buchdruckerstreik von 1913 &#8211; was sich darin gezeigt hat, dass es in der Buchhandlung im Museumsquartier viel Nachfrage nach den Brosch\u00fcren gegeben hat.<\/p>\n<p><b>GWR: Gibt es thematische Schwerpunkte? Es scheint, dass die Erforschung h\u00e4ufig unbekannter Aspekte der historischen \u00f6sterreichischen anarchistischen Szene ein Hauptanliegen ist. Stimmt dieser Eindruck?<\/b><\/p>\n<p>Andi: Auf der Homepage schreiben wir, dass es unsere Aufgabe als &#8222;Anarchist_innen&#8220; ist, sich mit &#8222;unserer&#8220; Geschichte auseinanderzusetzen. Nicht nur, um sie dem Vergessen zu entrei\u00dfen, sondern auch, um unseren Blick auf die Gegenwart zu sch\u00e4rfen. Das beschreibt den grunds\u00e4tzlichen Ansatz recht gut. In der gro\u00dfen Geschichtsschreibung wird ja die anarchistische Bewegung meist nur in Fu\u00dfnoten abgehandelt oder als Kuriosit\u00e4t hingestellt.<\/p>\n<p>Wir wollen da genauer hinschauen, denn uns interessiert f\u00fcr was Anarchist_innen, Sozialrevolution\u00e4re, Syndikalist_innen usw. genau gek\u00e4mpft haben? Wer waren diese Personen? Was haben sie gedacht, wor\u00fcber haben sie gestritten und wie sind diese oder jene Streiks oder Revolten genau verlaufen? Und es gibt ja den Spruch: &#8222;Grabe wo du stehst.&#8220; Dem sehen wir uns zwar nicht dogmatisch verpflichtet, aber f\u00fcr den Anfang ist es nicht das Schlechteste.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich gab und gibt es nur wenig zu dieser Geschichte. Einige Autor_innen haben sich zwar darum bem\u00fcht und der Monte Verita Verlag oder die Pierre Ramus Gesellschaft haben in den letzten Jahrzehnten einiges ver\u00f6ffentlicht, aber es gibt noch genug zu entdecken und zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><b>GWR: Was ist euer Verst\u00e4ndnis von Anarchismusforschung? Welche Rolle kann sie idealerweise in der anarchistischen Bewegung &#8211; und dar\u00fcber hinaus &#8211; spielen?<\/b><\/p>\n<p>Peter: Wir haben sicherlich kein einheitliches Verst\u00e4ndnis von Anarchismusforschung. Was uns aber eint, ist, dass wir die Relativit\u00e4t dieses Unterfangens erkennen und auch anerkennen. Wir sehen uns daher auch nicht einer sogenannten &#8222;objektiven Wahrheit&#8220; verpflichtet, weil f\u00fcr uns diese nicht existiert. Die Sieger bestimmen immer \u00fcber den Inhalt der Geschichte. Wir geh\u00f6ren aber bis jetzt zu den Verlierern. Unsere Spuren sind verwischt, verleugnet, vernichtet. Hier wollen wir m\u00f6glichst viele Puzzlesteine unserer verlorengegangenen Geschichte wiederfinden, aus denen wir aber bestenfalls Geschichten \u00fcber unsere jeweilige Bewegung zusammensetzen k\u00f6nnen. Das ist spannend und auch sehr befriedigend. Ob diese Arbeit in der anarchistischen oder libert\u00e4ren Bewegung eine Rolle spielen kann, ist schwer einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Aber wenn, dann bestenfalls eine sehr geringe &#8211; wie viel haben wir denn schon aus der Geschichte gelernt? Wir lernen doch aus dem Vorw\u00e4rtsgehen, also aus unserem Leben und damit aus den eigenen Erfahrungen und schlie\u00dflich auch aus den Erfahrungen der Generationen, die uns voran gegangen sind. Aber diese Erfahrungen spielen in unserem Bewusstsein doch nur eine unterst\u00fctzende Rolle, obwohl wir uns ungewollt und unbewusst an ihren Ergebnissen immer wieder abarbeiten m\u00fcssen. Wir wollen doch oft nur das lernen, was zu unserem jeweiligen Erfahrungsschatz passt. Deshalb sind wir vorsichtig und wollen diese Erfahrungen aus der Geschichte einfach nur zur Verf\u00fcgung stellen, vor denen wir aber gleichzeitig warnen, da sie ja durch unsere sch\u00f6ngef\u00e4rbte Brille wiedergegeben werden.<\/p>\n<p><b>GWR: Was sind eure Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft?<\/b><\/p>\n<p>Peter: Wir stecken mitten in der Produktion zweier neuer Brosch\u00fcren. Eine wird ein Reprint eines Textes von Olga Misar aus dem Jahre 1919 &#8211; &#8222;Neuen Liebesidealen entgegen&#8220; &#8211; sein mit einer ausf\u00fchrlichen Einleitung. Und die zweite wird Geschichten \u00fcber die anarchosyndikalistischen Schuhmacherinnen und Schuhmacher von Wien erz\u00e4hlen. Und f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr, das Jahr 2018, planen wir einen gro\u00dfen Schwerpunkt auf die \u00f6sterreichische Revolution von 1918\/19 zu legen. Da wollen wir ein kleines, vielleicht auch ein bisschen situationistisches Spektakel veranstalten.<\/p>\n<p><b>Interview: Sebastian Kalicha<\/b><\/p>\n<p align=\"right\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut f\u00fcr Anarchismusforschung ist ein loser Zusammenschluss von Anarchist_innen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geschichte(n) der anarchistischen Bewegung zu be- und erforschen, sich mit den Theorien des Anarchismus zu besch\u00e4ftigen oder sich mit allgemeinen politischen, kulturellen, &hellip; <a href=\"https:\/\/anarchismusforschung.org\/?page_id=40\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-40","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/40","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/40\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":586,"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/40\/revisions\/586"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/anarchismusforschung.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}